Integrative Lerntherapie

Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten
Lese- und Rechtschreibschwäche
Lese- und Rechtschreibstörung (Legasthenie)

Von gravierenden Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten, Lese-Rechtschreibschwäche oder Lese-Rechtschreibstörung (Legasthenie) sind mindestens 15 % der Kinder und Jugendlichen betroffen. Bis zu 10 % der Schülerinnen und Schüler leiden unter einer Lese- und Rechtschreibstörung (ICD-10 F81.0), isolierten Lesestörung oder einer isolierten Rechtschreibstörung (ICD-10 F81.1).

Oftmals gehen diese Lern- und Leistungsschwierigkeiten mit psychischer Belastung und psychosozialen Problemen einher. Diese beeinträchtigen im Unterricht und belasten die gesamte Familie.


Lese- und Rechtschreibschwäche | Lese-Rechtschreibstörung
erkennen und behandeln

Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten: Fallbeispiel Antonia

Antonias Leseschwierigkeiten betreffen die Lesegeschwindigkeit, Lesegenauigkeit und das Leseverständnis. Antonia liest sehr langsam und stockend (lautierend). Sie verwechselt beim Lesen oftmals »d« und »b« oder »ie« und »ei«. Es fällt ihr schwer, sich Wortbilder einzuprägen. Die Eltern berichten, dass ihre Tochter immer wieder »Buchstabe für Buchstabe« liest oder »was da gar nicht steht«. Weil das Lesen für Antonia sehr anstrengend ist, kann sie sich kaum auf den Inhalt eines Textes konzentrieren und sie versteht oft nicht, was sie gerade gelesen hat.

Antonias Rechtschreibschwierigkeiten beginnen bereits auf der phonologischen Ebene (Laut-Buchstaben-Zuordnung). Sie vergisst und verwechselt Buchstaben, oder sie fügt Buchstaben hinzu. Und obgleich die Eltern mit Antonia täglich Lernwörter üben, macht sie in Diktaten und Aufsätzen viel zu viele Fehler. Es sind immer wieder andere Fehler. Antonia ist sich sehr unsicher, ob ein Mitlaut verdoppelt werden muss oder wann ein »h« im Wort vorkommt. Auch die Groß- und Kleinschreibung beherrscht sie nicht. Sehr belastend ist für ihre Eltern auch, dass Antonia bereits gekonnte Wörter immer wieder falsch schreibt.

Ihre Eltern berichten auch, dass Antonia vor der Schule häufig über Bauch- oder Kopfschmerzen klage. Sie will nicht zur Schule gehen, Schule sei »doof«; insbesondere an Tagen, an denen sie Deutsch habe.

Die Deutschhausaufgaben stellen eine große Belastung für Antonia und Ihre Eltern dar. Fast täglich kommt es deswegen zu Konflikten in der Familie. Ihre Eltern machen sich große Sorgen um seine schulische Entwicklung.

 

Methodik und Didaktik

Unsere Lerntherapie ist stets individuell gemäß dem Entwicklungs- und Lernstand des Kindes / Jugendlichen, seinen kognitiven und emotional-motivationalen Lernvoraussetzungen sowie entsprechend seinem biopsychosozialen Lern-Wirkungsgefüge. LTE-Lerntherapie ist verhaltenstherapeutisch orientiert, multimodal und umfasst Kind (Jugendlichen), Eltern und Lehrer/innen.

Die Behandlung von Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten ist symptomorientiert und folgt wissenschaftlich fundierten Leitlinien; Methodik und Didaktik der Behandlung sind evidenzbasiert und basieren auf gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Die lerntherapeutische funktionelle Übungsbehandlung von Lese- und/oder Rechtschreibfertigkeiten basiert auf wissenschaftlich-medizinischen Standards (siehe S3-Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft Wissenschaft Medizinischer Fachgesellschaften: Diagnostik und Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Lese- und/oder Rechtschreibstörungen, 2015; bvl-legasthenie.de/images/static/pdfs/Leitlinien/LF_Leitlinie.pdf).

Die funktionelle Übungsbehandlung fördert die spezifischen Basiskompetenzen für Lesen und Rechtschreibung und fördert mit evaluierten Förderprogrammen Lesegeschwindigkeit, Lesegenauigkeit, Leseverständnis und die Rechtschreibung.

Die psychologische Arbeit mit Kind (Jugendlichen), Eltern und Lehrer/innen basiert auf dem Therapieprogramm von Bernart und Weinig (2020) sowie auf aktuellen Forschungserkenntnissen zu den Wirkfaktoren erfolgreichen Lernens.

Ursachen und Schweregrad

Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten, Lese-Rechtschreibschwäche und Lese-Rechtschreibstörungen (Legasthenie) unterscheiden sich in ihren Ursachen und in ihrem Schweregrad.

Ursachen. Die Ursachen beeinflussen den Schweregrad. Nach dem biopsychosozialen Erklärungsmodell können biologische, psychische und psychosoziale Ursachen bestehen.

Biologisch. Es können bestehen eine genetische Prädisposition für Entwicklungs- und Lernschwierigkeiten, defizitäre spezifische kognitive Lernvoraussetzungen (Basiskompetenzen) für Lesen und/oder Rechtschreibung und/oder defizitäre unspezifische kognitive Lernvoraussetzungen (s. Aufmerksamkeits- und Gedächtnisfunktionen).

Psychisch. Es können bestehen defizitäre emotional-motivationale Lernvoraussetzungen und kritische lernbegleitende Emotionen (beispielsweise Stress und Prüfungsängste).

Sozial. Es können bestehen dysfunktionale psychosoziale Faktoren im Lern-Wirkungsgefüge und unrealistische Lern-Leistungserwartungen (Eltern und Schule).

Schweregrad. Der Schweregrad wird bestimmt durch die erwartungswidrig schwachen Leistungen und die spezifischen kognitiven Ursachen, durch die emotional-motivationalen Lernvoraussetzungen und die psychische Belastung des Kindes (Jugendlichen).

Eine Lese-Rechtschreibstörung (Legasthenie) wird nicht durch den Fleiß oder die Faulheit des Kindes (Jugendlichen) bestimmt. Sie muss aufgrund ihres Schweregrades professionell behandelt werden, denn aufgrund der zugrundeliegenden kognitiven Ursachen wächst sie sich nicht aus. Auch vermehrtes Üben hilft nicht. Im Gegenteil: der Schweregrad einer unbehandelten Lese-Rechtschreibstörung nimmt zu; je älter die Kinder (Jugendlichen) werden. Schullaufbahn und Psyche des Kindes (Jugendlichen) sind gefährdet.

Zielstellungen einer LRS-Therapie

  • W. von Suchodoletz: Welche Behandlung ist bei Legasthenie wirksam?
    In Monatszeitschrift Kinderheilkunde, 4. 2007 (155), S. 351-356

  • Verbesserung der Lese-Rechtschreib-Leistungen
  • Psychische Stabilisierung
    • Erhöhung der Lernmotivation
    • Abbau von Leistungsängsten
    • Erlernen von Bewältigungsstrategien zur Verarbeitung von Fehlleistungen und schulischem Versagen
    • Abbau spezifischer psychischer oder psychosomatischer Symptome
  • Behandlung zusätzlicher Entwicklungsauffälligkeiten (insbesondere sprachliche und motorische, Komorbidität mit Dyskalkulie)
  • Optimierung des Umfelds hinsichtlich
    • Schulsituation (insbesondere Nachteilsausgleich laut Legasthenieerlass)
    • Häuslichen Bedingungen (Elternberatung und -anleitung, insbesondere zur Gestaltung der Hausaufgabensituation)

Integrative Lerntherapie

Kind (Jugendlicher). Unsere Lerntherapie ist symptomspezifisch, in direktem Bezug zu den Lernschwierigkeiten. Sie basiert auf der störungsspezifischen Diagnostik und der qualitativen Fehleranalyse, dem Stärken- und Störungsprofil des Kindes / Jugendlichen, den regelmäßigen Therapieevaluationen und der adaptiven Förderplanung.

Phasen und Module:

Die Behandlung umfasst zunächst die Psychoedukation, gemeinsame Problemanalyse und Entwicklung eines altersadäquaten Störungsmodells mit dem Kind (Jugendlichen), die Zielanalyse, Entwicklung der Änderungsmotivation und Planung der Interventionen (Maßnahmen).

Funktionelle Übungsbehandlung. Die funktionelle Übungsbehandlung der Lese- und Rechtschreibfertigkeiten wird mittels evaluierter Therapieprogramme mit wissenschaftlich gesicherten Effektivitätsstudien durchgeführt. Sie fördert systematisch den Aufbau der Lese- und Rechtschreibfertigkeiten gemäß dem Entwicklungsverlauf (Stufen im Kompetenzerwerb).

Psychologische Arbeit. Die Konzeption unserer psychologischen Arbeit mit dem Kind (Jugendlichen) ist evidenzbasiert. Sie ist abgeleitet von den Wirkfaktoren des individuellen Lern-Wirkungsgefüges (Störungsmodell) und basiert auf empirisch belegten Wirkfaktoren erfolgreichen Lernens (Schüler). Ziele der psychologischen Arbeit mit dem Kind (Jugendlichen) sind beispielsweise die Entwicklung eines realistischen Selbstkonzeptes (Deutsch), die Entwicklung eines Vertrauens in die eigenen Fähigkeiten wie auch der Abbau negativer lernbegleitender Emotionen und psychischen Belastung aufgrund der Lese-Rechtschreibschwierigkeiten.

Eltern. Die wirksamen Interventionen bei Lese-Rechtschreibschwierigkeiten, Lese-Rechtschreibschwäche und Lese-Rechtschreibströrungen (Legasthenie) sind multimodal und beinhalten die psychologische Arbeit mit den Eltern.

Die verhaltenstherapeutisch orientierte Elternarbeit bezieht nach dem mit den Eltern gemeinsam erarbeiteten Lern-Wirkungsgefüge (Störungsmodell) des Kindes / Jugendlichen die psychosozialen Lern-Wirkfaktoren (Eltern) ein.

Module der Elternarbeit:
Psychoedukation, Kognitionen (Lern- und Leistungserwartungen), Eltern-Selbstkonzept und Erziehungsziele, Eltern-Kind-Interaktion, Lernen und psychischer Ausgleich des Kindes (Jugendlichen). Psychischer Ausgleich der Eltern und die Entwicklung der Eltern zu Ko-Therapeuten.

Ziele. Die Elternarbeit ist individuell, elternzentriert und adaptiv. Primäres Ziel unserer Elternarbeit ist, ein positives Lern-Wirkungsgefüge zu entwickeln, in dem die Eltern als Ko-Therapeuten wirken. Dabei ist oftmals die psychische Belastung von Eltern und Kind zu reduzieren und die Eltern sind in ihrer Selbstwirksamkeit zu bestärken, damit sie ihr Kind im Lernen hilfreich unterstützen können.

 

Wie lange dauert eine Behandlung (LRS-Therapie)?

Die Dauer der Behandlung ist zum einen abhängig vom Schweregrad und den Ursachen der Lese- und/oder Rechtschreibschwierigkeiten, zum anderen von der Intensität der lerntherapeutischen funktionellen Übungsbehandlung und dem Mitwirken der Eltern (Eltern als Ko-Therapeuten).

Entwicklungsverlauf (Stufen im Kompetenzerwerb):
Lese- und Rechtschreibfertigkeiten

 

 

Haus des Erwerbs von Lese- und Rechtschreibfertigkeiten,
in Anlehnung an Jacobs & Petermann, Diagnostik von Rechenstörungen, 2. / 2012

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