Psychologische Lerntherapie

Lernschwierigkeiten bei AD(H)S / Aufmerksamkeitsschwäche

Von gravierenden Lernschwierigkeiten bei AD(H)S oder Aufmerksamkeitsschwäche sind bis zu 15 % der Kinder und Jugendlichen betroffen. Über 5 % der Schüler/innen leiden unter einer Aufmerksamkeitsstörung mit Hyperaktivität (ICD-10 F90.0) oder ohne Hyperaktivität.

Von einer AD(H)S oder Aufmerksamkeitsschwäche betroffene Kinder und Jugendliche können altersytypische Entwicklungsaufgaben im schulischen Lern-Leistungsbereich kaum erfolgreich bewältigen. Es entstehen Lern- und Leistungsdefizite und oftmals auch Verhaltensauffälligkeiten. Diese gefährden die begabungsadäquate Schullaufbahn.

Oftmals gehen die Lernschwierigkeiten bei ADHS oder Aufmerksamkeitsschwäche mit Defiziten in der Lernregulation, organisatorischen und motivationalen Lerndefiziten, ungünstigem Lern- und Sozialverhalten sowie psychischer Belastung und psychosozialen Problemen einher. Die Schwierigkeiten beeinträchtigen die betroffenen Schüler/innen im Unterricht und belasten die gesamte Familie.

 

Lernschwierigkeiten bei AD(H()S oder Aufmerksamkeitsschwäche
erkennen und behandeln

Ursachen und Schweregrad

Die Lernschwierigkeiten bei Aufmerksamkeitsdefiziten, Aufmerksamkeitsschwäche oder AD(H)S unterscheiden sich in der erwartungswidrig schwachen schulischen Leistung. Unrealistische Lern-Leistungserwartungen und ungünstige psychosoziale Bedingungen und bewirken den Schweregrad der Lernschwierigkeiten und den Grad der psychischen Belastung des Schülers.

Ursachen. Biopsychosoziales Erklärungsmodell zur Entwicklung von Lernschwierigkeiten, Lern-Leistungsstörungen (vgl. Bernart & Weinig, 2020)

Biologisch besteht eine genetische Prädisposition für Aufmerksamkeitsstörungen.

Die biologische Ursache bewirkt Störungen der Selbstregulation.
Das Lernen wird durch Störungen der kognitiven Selbstregulation, Emotionsregulation und Verhaltensregulation beeinflusst.

Die Störungen der Selbstregulation führen zu den ADHS-Symptomen der Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität.

Ungünstige psychosoziale Bedingungen beeinflussen infolge zunehmend belasteter psychosozialer Beziehungen (Verhalten und Interaktion) komorbide psychische Symptome und den Schweregrad der Lernschwierigkeiten.

Methodik und Didaktik

Unsere psychologische Lerntherapie folgt wissenschaftlich fundierten Leitlinien. Methodik und Didaktik sind evidenzbasiert, auf Basis empirisch wissenschaftlicher Erkenntnisse. Die verhaltenstherapeutisch orientierte Behandlung von Lernschwierigkeiten bei ADHS oder Aufmerksamkeitsschwäche ist multimodal und umfasst die psychologische Arbeit mit dem Kind (Jugendlichen), seinen Eltern und Lehrer/innen. Sie basiert auf Forschungserkenntnissen und wissenschaftlich-medizinischen Standards: S3-Leitlinie der AWMF, Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter.

Die psychologische Lerntherapie ist stets gemäß dem Stärken- und Störungsprofil des Kindes (Jugendlichen), seinen kognitiven und emotional-motivationalen Lernvoraussetzungen sowie entsprechend seinem biopsychosozialen Lern-Wirkungsgefüge. Dabei werden neuropsychologische Trainingsprogramme mit wissenschaftlich gesicherten Effektivitätsstudien und wirksame psychologische Therapieprogramme zur Behandlung von ADHS-Symptomatik bei Kindern und Jugendlichen eingesetzt (siehe S3-Leitlinie, www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/028-045.html).

Die psychologische Arbeit mit dem Kind (Jugendlichen), Eltern und Lehrer/innen basiert auf wissenschaftlich-medizinischen Standards (s. S3-Leitlinie), relevanten Leitlinien der Kinder- und Jugendpsychotherapie, wirksamen Elterntrainings bei ADHS, der »Psychologischen Arbeit mit dem Kind (Jugendlichen)« aus dem Therapieprogramm von Bernart und Weinig (2020) sowie auf aktuellen Forschungsergebnissen zu den Wirkfaktoren erfolgreichen Lernens.

Psychologische Lerntherapie

Kind (Jugendlicher). Unsere psychologische Lerntherapie ist symptomspezifisch, in direktem Bezug zu den Lern-Leistungsschwierigkeiten. Sie basiert auf der störungsspezifischen Diagnostik, dem Stärken- und Störungsprofil des Kindes (Jugendlichen), den regelmäßigen Therapieevaluationen und der adaptiven Förderplanung. Die Behandlung fördert in jeder Therapieeinheit systematisch die Basiskompetenzen (Aufmerksamkeit) und stets die Exekutivfunktionen sowie grundlegende Strategien der Selbstregulation (Handlungs- und Verhaltensorganisation mittels Selbstinstruktionen), Selbstbeoachtung und das Selbstmanagement des Kindes (Jugendlichen) beim Lernen.

Phasen und Module:

Die Behandlung umfasst in der ersten Phase die Psychoedukation, gemeinsame Problemanalyse und Entwicklung eines altersadäquaten Störungsmodells mit dem Kind (Jugendlichen), die Zielanalyse, Entwicklung der Änderungsmotivation und Planung der Interventionen (Maßnahmen).

In der zweiten Phase werden die Lern- und Leistungsschwierigkeiten psychologisch behandelt: Selbstkonzept (Selbstbild) und Kognitionen (Grundannahmen). Dysfunktionale Kognitionen wie das schulische Selbstkonzept, unrealistische Lern-Leistungserwartungen oder dysfunktionale Lern-Leistungsziele werden modifiziert. Ungünstige Lern-Emotionen, Stress und Prüfungsängste werden abgebaut. Aufgebaut werden Lernmotivation, Anstrengungsbereitschaft und Lern-Volition.

In der dritten Phase fördert die psychologische Lerntherapie mittels individuellem Lerntraining die Lern- und Arbeitsorganisation, Lerntechniken und Lernstrategien sowie hilfreiches Lernverhalten (Verhaltensmodifikation). Unser Lerntraining ist evidenzbasiert, abgeleitet von den Wirkfaktoren des individuellen Lern-Wirkungsgefüges (Störungsmodell) und basiert auf empirisch belegten Wirkfaktoren erfolgreichen Lernens.

Ziele. Ziele der psychologischen Arbeit mit dem Kind (Jugendlichen) sind beispielsweise die Entwicklung eines realistischen schulischen Selbstkonzeptes und Vertrauens in die eigenen Fähigkeiten, die Entwicklung realistischer Lern- und Leistungsziele und funktionaler Anstrengungsbereitschaft sowie der Abbau negativer lernbegleitender Emotionen und der psychischen Belastung aufgrund der Lern-Leistungsschwierigkeiten.

Eltern. Die wirksamen Interventionen bei Lernschwierigkeiten bei ADHS oder Aufmerksamkeitsdefiziten sind multimodal und beinhalten die psychologische Arbeit mit den Eltern. Dem mit den Eltern erarbeiteten Lern-Wirkungsgefüge (Störungsmodell) folgend, bezieht die verhaltenstherapeutisch orientierte Elternarbeit die psychosozialen Bedingungen und psychosozialen Beziehungen (Verhalten und Interaktionen) als Lern-Wirkfaktoren ein.

Module der Elternarbeit:
Psychoedukation, Kognitionen (Lern- und Leistungserwartungen), Eltern-Selbstkonzept und Erziehungsziele, ADHS-Elterntraining, Verhaltensverträge und Beziehung (Eltern-Kind-Interaktion), Lernen und psychischer Ausgleich des Kindes (Jugendlichen). Psychischer Ausgleich der Eltern und die Entwicklung der Eltern zu Ko-Therapeuten.

Ziele. Die Elternarbeit ist individuell, elternzentriert und adaptiv. Primäres Ziel unserer Elterarbeit ist, ein positives Lern-Wirkungsgefüge zu entwickeln, in dem die Eltern funktional (hilfreich) und als Ko-Therapeuten wirken. Dabei ist oftmals die psychische Belastung von Eltern und Kind zu reduzieren und die Eltern sind in ihrer Selbstwirksamkeit zu bestärken, damit sie ihr Kind im Lernen hilfreich unterstützen können.

Biopsychosoziales Erklärungsmodell:
Entwicklung von Lernschwierigkeiten,
Lern- und Leistungsstörungen bei AD(H)S

 

Biopsychosoziales Modell zur Entstehung von Aufmerksamkeitsstörungen und Lern-Leistungsstörungen,
modifiziert nach: Döpfner, Frölich & Lehmkuhl, Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung (ADHS) (2. / 2013)

Unsere Einrichtungen sind geöffnet.
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