FAQ - Emotional-motivationale Lernschwierigkeiten

Ursachen
Was sind die Ursachen von »Lernschwierigkeiten bei AD(H)S«?

Ursachen und Schweregrad. Aufmerksamkeitsstörungen unterscheiden sich in ihrem Schweregrad. Der Schweregrad der AD(H)S wird mit durch ungünstige psychosoziale Faktoren (Bedingungen) beeinflusst. Die kognitiven Lernschwierigkeiten bei AD(H)S unterscheiden sich mitunter in der erwartungswidrig schwachen schulischen Leistung des betroffenen Kindes (Jugendlichen). Auch der Schweregrad der individuellen Lernschwierigkeiten wird durch ungünstige psychosoziale Faktoren (Bedingungen) beeinflusst; zudem durch unrealistische Lern-Leistungserwartungen, defizitäre emotional-motivationale Lernvoraussetzungen, dysfunktionale lernbegleitende Emotionen und durch den Grad der psychischen Belastung der Schülerin / des Schülers.

Neuropsychologische Befunde (siehe S3-Leitline "Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter" der Arbeitsgemeinschaft Wissenschaftlich Medizinischer Fachgesellschaften, 2017, Seite 18). Die exekutiven Funktionen sind beeinträchtigt. Die mangelnde Hemmung von Impulsen (Reaktionshemmung, s. Inhibition) beeinflusst Arbeitsgedächtnis, Selbstregulation von Emotionen, Motivation und Aufmerksamkeit sowie die Analyse und Entwicklung von Handlungssequenzen. Kinder und Jugendliche mit AD(H)S zeigen veränderte motivationale Prozesse und beeinträchtigte Lernprozesse (z.B. Abneigung gegen Belohnungsaufschub; reduzierte Handlungskontroll- und Fehlerverarbeitungsmechanismen). Es bestehen Probleme beim flexiblen Wechsel zwischen Handlungen und beim Planen, es besteht eine defizitäre emotionale Selbstregulationsfähigkeit (s. Emotionsregulation).

Exekutive Funktionen. "Hierzu werden die Fähigkeiten zur Selbstregulation gerechnet, wie die Fähigkeit zur Hemmung von Handlungsimpulsen, der kognitiven Flexibilität (z. B. schulische Fertigkeiten unter verschiedenen situativen Anforderungen adaptiv anwenden zu können), der Interferenzkontrolle (d.h. die Fähigkeit, irrelevante Reizaspekte zurückzustellen und auf wesentliche Aspekte zu fokussieren), des Arbeitsgedächtnisses sowie der Planung von Aufgabenstellungen und dem Finden vom Problemlösungen" (Frölich, Döpfner & Banaschewski, 2014. ADHS in Schule und Unterricht. Stuttgart: Kohlhammer. Seite 39).

Ursachen. Biopsychosoziales Erklärungsmodell von Lernschwierigkeiten (s. Bernart & Weinig, 2020)

  • Biologisch. Genetische Prädisposition für "Aufmerksamkeitsstörungen".
  • Störungen der Selbstregulation. Die biologische Ursache bewirkt Beeinträchtigungen der exekutiven Funktionen. Das Lernen wird durch Störungen der kognitiven Selbstregulation, Emotionsregulation und Verhaltensregulation negativ beeinflusst.
  • ADHS-Symptome: Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität, Impulsivität.
  • Psychisch. Defizitäre emotional-motivationale Lernvoraussetzungen und kritische lernbegleitende Emotionen (beispielsweise Prüfungs- und Versagensängste).
  • Sozial. Dysfunktionale psychosoziale Faktoren (Bedingungen) im Lern-Wirkungsgefüge und unrealistische Leistungserwartungen der Umwelt (Eltern und Schule).

Biopsychosoziales Erklärungsmodell: Entwicklung von Lernschwierigkeiten,
Lern- und Leistungsstörungen

Biopsychosoziales Erklärungsmodell. Modifiziert nach Döpfner, Frölich und Lehmkuhl, 2013. Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Göttingen: Hogrefe, s. S. 17


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