FAQ - Emotional-motivationale Lernschwierigkeiten

Behandlung
Was tun bei »Lernschwierigkeiten bei AD(H)S«?

Elternarbeit bei »Lernschwierigkeiten bei AD(H)S«. Schularbeit bei »Lernschwierigkeiten bei AD(H)S«. Welche Förderung oder Behandlung bei »Lernschwierigkeiten bei AD(H)S«?

Was tun bei "Lernschwierigkeiten bei AD(H)S"? Bei der Auswahl der multimodalen Interventionen bei AD(H)S und "Lernschwierigkeiten bei AD(H)S" sind der Schweregrad der AD(H)S-Störung, der Lernstörung, Lese-Rechtschreibstörung und/oder Rechenstörung sowie die psychischen Faktoren des Kindes (Jugendlichen) und die psychosozialen Faktoren (Umgebungsfaktoren) zu berücksichtigen.

Im Rahmen des multimodalen Behandlungsplans sind bestehenden Lern- und Verhaltensstörungen der Vorrang einzuräumen; dabei ist der Schweregrad der Störungen zu berücksichtigen. Folglich sollte der Schwerpunkt auf pädagogisch-psychologischen Lerntherapien liegen (s. Gawrilow, 2009. ADHS. München: Reinhard. S. 53). In der Lerntherapie sind die Lernschwierigkeiten (Lernstörungen) leitliniengetreu zu behandeln (s. S3-Leitline "Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter" der Arbeitsgemeinschaft Wissenschaftlich Medizinischer Fachgesellschaften, 2017).

Fallmanagement. Bei Kindern und Jugendlichen kann die Planung der multimodalen Interventionen (Behandlungsplanung) durch einen Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie realisiert werden. Das Fallmanagement wird i.d.R. ein psychologischer Lerntherapeut im Rahmen der lerntherapeutisch-psychosozialen Arbeit übernehmen, wenn die AD(H)S-Symptome und/oder koexistierenden Lernstörungen die schulische Funktionsfähigkeit erheblich beeinträchtigen.

Elternarbeit bei "Lernschwierigkeiten bei AD(H)S". Eltern wird leitliniengetreu eine evidenzbasierte und verhaltenstherapeutisch orientierte Elternberatung und Elternarbeit angeboten (s. Elternarbeit bei AD(HS)). Die Elternarbeit wird in der LTE stets als individuelle Einzelarbeit durchgeführt. Sie basiert auf dem Therapieprogramm von Bernart und Weinig (2020), dem Trainingsmanual "Triple P", dem Eltern-Kind-Programm aus dem "Therapieprogramm für Kinder mit hyperkinetischem und oppositionellem Problemverhalten" (THOP) von Döpfner, Schürmann und Frölich (aktuelle Auflage: 2019) und aus "Wackelpeter & Trotzkopf" von Döpfner, Schürmann & Lehmkuhl (5. Auflage, 2017. Weinheim: Beltz).

Elternarbeit. Die Elternarbeit fördert das Verständnis für die AD(H)S-Symptomatik und die individuellen Lernschwierigkeiten (Lernstörungen), modifiziert dysfunktionale Kognitionen, Lern-Leistungserwartungen oder beispielsweise Einstellungen. Sie entwickelt die Bewältigungskompetenzen der Eltern und optimiert das Erziehungsverhalten; stets mit dem Ziel, das Lernverhalten des Kindes (Jugendlichen) zu verbessern. Bei Jugendlichen werden oftmals auch Familieninterventionen zur Verminderung von Eltern-Jugendlichen-Konflikten durchgeführt.

  • Module. Psychoedukation und Störungsmodell; Elterliche Kognitionen (Lern- und Leistungserwartungen) und Einstellungen; Eltern-Selbstkonzept und Erziehungsziele (s. Schullaufbahn); AD(H)S-Elterntraining (s. Erziehungsverhalten); Lern-Verhaltensverträge und Eltern-Kind-Interaktion (Beziehung); Lernorganisation und psychischer Ausgleich des Kindes (Jugendlichen). Psychischer Ausgleich der Eltern; Entwicklung der spezifischen Bewältigungskompetenzen und Entwicklung der Eltern zu Ko-Therapeuten.

  • Psychoedukation und Störungsmodell. In der psychologischen Arbeit mit den Eltern ist die Psychoedukation (Aufklärung über das Störungsbild) die Grundlage für die Entwicklung konkreter Strategien zur Bewältigung der Lern- und/oder Verhaltensproblematik.
    Gemeinsam mit den Eltern wird ein Störungsmodell (s. Lern-Wirkungsgefüge) erarbeitet zu den Ursachen, dem vermutlichen Verlauf der AD(H)S-Symptomatik, den "Lernschwierigkeiten bei AD(H)S" und bestehenden Lern- und Verhaltensstörungen ihres Kindes (Jugendlichen).

  • Ziele. Um das Lernverhalten des Kindes (Jugendlichen) effizient zu verbessern, ist die Elternarbeit individuell, elternzentriert und adaptiv. Primäres Ziel unserer Elternarbeit ist, ein positives Lern-Wirkungsgefüge zu entwickeln, in dem die Eltern funktional (hilfreich) und erfolgreich als Ko-Therapeuten wirken. Dabei ist oftmals die psychische Belastung von Eltern und Kind (Jugendlichen) zu reduzieren und die Eltern sind in ihrer Bewältigungskompetenz und Selbstwirksamkeit zu bestärken, damit sie beim Lernen hilfreich unterstützen können.

Schularbeit bei "Lernschwierigkeiten bei AD(H)S". Wenn in der Schule die AD(H)S-Symptomatik, "Lernschwierigkeiten bei AD(H)S" und/oder Lern- und Verhaltensstörungen des Kindes (Jugendlichen) auftreten, sollte die kognitiv-verhaltenstherapeutisch orientierte LTE-Schularbeit durchgeführt werden. Dabei können die Lehrer/innen über relevante Inhalte der individuellen Elternarbeit und der lerntherapeutischen Maßnahmen (Schüler/in) informiert werden.

Schularbeit. Die lerntherapeutisch-psychologische Schularbeit zielt darauf ab, durch Psychoedukation und Beratung das Verständnis der Lehrer/innen für die AD(H)S-Symptomatik, "Lernschwierigkeiten bei AD(H)S" oder Lern- und Verhaltensstörungen des Kindes (Jugendlichen) zu verbessern. Dies mit dem Ziel, das Lehr- und Erziehungsverhalten der Lehrer/innen derart zu optimieren, dass die "Lernschwierigkeiten bei AD(H)S" oder Lern- und Verhaltensstörungen des Kindes (Jugendlichen) in der Schule vermindert werden.

Behandlung. Welche Förderung oder Behandlung bei "Lernschwierigkeiten bei AD(H)S"?

Eine frühzeitige symptombasierte Behandlung nach wissenschaftlich-medizinischen Kriterien und Standards ist dringend geboten (siehe S3-Leitline "Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter" der Arbeitsgemeinschaft Wissenschaftlich Medizinischer Fachgesellschaften, 2017).

Methodik und Didaktik.

Konzeption, Methodik und Didaktik unserer psychologischen Lerntherapie sind evidenzbasiert und basieren auf empirisch belegten Wirkfaktoren erfolgreichen Lernens. Die Behandlung der "Lernschwierigkeiten bei AD(H)S" ist verhaltenstherapeutisch orientiert, individuell (symptomspezifisch) und multimodal; schließt Kind (Jugendlichen), Eltern und Lehrer/innen ein. Sie ist gemäß dem Stärken- und Störungsprofil des Kindes (Jugendlichen), seinen kognitiven und emotional-motivationalen Lernvoraussetzungen, den psychischen Faktoren des Kindes (Jugendlichen) und seinem biopsychosozialen Lern-Wirkungsgefüge.
Die Behandlung der "Lernschwierigkeiten bei AD(H)S" folgt wissenschaftlich fundierten Leitlinien. Sie basiert auf wissenschaftlichen Forschungserkenntnissen und wissenschaftlich-medizinischen Standards (s. S3-Leitlinie der AWMF: Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung (ADHS im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter) sowie auf aktuellen wissenschaftlichen Forschungsergebnisse zu den Wirkfaktoren erfolgreichen Lernens.

Module. Leitliniengetreue Behandlung von "Lernschwierigkeiten bei AD(H)S".

(1) Psychoedukation. Altersadäquate Aufklärung über Stärken und Schwächen, über das individuelle Störungsbild und Lern-Wirkungsgefüge.

(2) Neuropsychologisches Training von Aufmerksamkeits- und Exekutivfunktionen. Therapiebegleitendes neuropsychologisches Training defizitärer kognitiver Aufmerksamkeitsfunktionen (s. Aufmerksamkeitsdimension der Intensität, Aufmerksamkeitsdimension der Selektivität). Dabei werden neuropsychologische PC-Trainingsprogramme mit wissenschaftlich gesicherten Effektivitätsstudien eingesetzt.

(3) Kognitives Therapie von Exekutivfunktionen (Lernen). Die kognitive Therapie von Exekutivfunktionen basiert auf altersadäquaten Teilen des Therapiemanuals von Müller, Hildebrandt und Münte (Kognitive Therapie bei Störungen der Exekutivfunktionen, 2004) und nutzt Planungs- und Denkaufgaben, Logicals wie auch Übungen aus dem Praxisbuch von Monika Brunsting (Lernschwierigkeiten - Wie exekutive Funktionen helfen können, 2011).

(4) Aufmerksamkeitstraining. Das verhaltenstherapeutisch orientierte Training mit aufmerksamkeitsgestörten Kindern bis 12 Jahren basiert auf dem evaluierten Trainingsprogramm von Lauth und Schlottke (Training mit aufmerksamkeitsgestörten Kindern. aktuelle Auflage: 2019). Es umfasst ein Training der Basiskompetenzen ("Zuhören: Hör genau - Schau genau") und aufbauend ein Strategietraining der Verhaltensteuerung, der Impuls- und Selbstkontrolle ("Handlungs- und Verhaltensorganisation, Handlungs- und Verhaltensteuerung mittels Selbstinstruktionen"). Ein individuell-adaptives Lerntraining vermittelt zum Kind passende Lerntechniken.

(5) Lerntraining. Das verhaltenstherapeutisch orientierte Training mit aufmerksamkeitsgestörten Jugendlichen basiert auf dem evaluierten Lerntraining "LeJA" von Linderkamp, Hennig und Schramm (ADHS bei Jugendlichen: Das Lerntraining LeJA. 2011) und dem evaluierten Trainingsprogramm "SELBST" von Walter, Döpfner, Rademacher und Schürmann (Leistungsprobleme im Jugendalter. Therapieprogramm für Jugendliche mit Selbstwert-, Leistungs- und Beziehungsstörungen, SELBST, Band 2. 2009).

Das Lerntraining für aufmerksamkeitsgestörte Jugendliche vermittelt primär folgende Kompetenzen: Organisation- und Selbstmanagementfähigkeiten, Selbstbeobachtung und Selbststeuerung (s. Selbstinstruktionen) beim Lernen. Zudem vermittelt das Training wirksame Lerntechniken und Lernstrategien; und es entwickelt funktionales (hilfreiches) Lernverhalten.

Die Lern-Selbstregulation von Kindern und Jugendlichen mit AD(H)S kann durch Selbstinstruktionen, Mentales Kontrastieren und Wenn-dann-Pläne (s. Lernverhaltensvertrag) verbessert werden; die Selbstregulation von AD(H)S-Betroffenen kann durch kognitive Strategien positiv beeinflusst werden (s. Gawrilow, 2009. ADHS. München: Reinhard. S. 32).

Aktive Lernstrategien werden eingeübt und Belohnungspläne werden eingeführt, die auf den Einsatz von Lernstrategien und das Erreichen von Lernzielen abzielen. Aktive Hilfen zur Organisation und Strukturierung für den schulischen Lern-Alltag werden einbezogen; dabei wird die Eigeninitiative des Kindes (Jugendlichen) gestärkt. Bei der Behandlung werden therapeutische Hausaufgaben zur Unterstützung des Transfers der erworbenen Fertigkeiten auf den Lern-Alltag eingesetzt.

(5) Emotional-motivationale Lernvoraussetzungen: Schulisches Fähigkeiten-Selbstkonzept und Lernmotivation. Lerntherapeutische Behandlung von bestehenden defizitären emotional-motivationalen Lernvoraussetzungen (s. "Emotional-motivationale Lernschwierigkeiten). Unser Behandlungskonzept basiert aktuellen Forschungserkenntnissen zu den Wirkfaktoren erfolgreichen Lernens (s. Therapieprogramm von Bernart und Weinig, 2020).

"Schüler mit einer ADHS weisen neben der Kernsymptomatik des Störungsbildes in den meisten Fällen erhebliche Probleme auf, anhaltend motiviert an schulischen Aufgabenstellungen zu arbeiten" (Frölich, Döpfner & Banaschewski, 2014. ADHS in Schule und Unterricht. Stuttgart: Kohlhammer. S. 45). Daher ist die Förderung der Lernmotivation ein Modulteil der Behandlung von "Lernschwierigkeiten bei AD(H)S".

Ziele der Behandlung defizitärer emotional-motivationaler Lernvoraussetzungen sind (1) die Entwicklung eines realistischen schulischen Fähigkeiten-Selbstkonzeptes und des Vertrauens in die eigenen Fähigkeiten; (2) die Entwicklung realistischer Lern- und Leistungsziele, nachhaltiger Lernmotivation und funktionaler Anstrengungsbereitschaft; (3) der Abbau negativer lernbegleitender Emotionen und Ängste (s. Prüfungsangst) und das Erlernen von Bewältigungsstrategien zur Verarbeitung von Misserfolgen; (4) der Abbau der psychischen Belastung aufgrund der Lern-Leistungsschwierigkeiten bei AD(H)S, der schulischen Misserfolge und die Optimierung der psychosozialen Faktoren (s. Lern-Wirkungsgefüge).
(5) Lernstörungen. Lerntherapeutische Behandlung von koexistierenden gravierenden Lese- und/oder Rechtschreibschwierigkeiten und/oder Rechenschwierigkeiten.

Lauth, G. W., Schlottke, P.F. (2009). Training mit aufmerksamkeitsgestörten Kindern. 6. Auflage. Weinheim: Beltz (siehe S3-Leitlinie, Seite 148: Moderater Wirksamkeitsnachweis).
Linderkamp, F., Hennig, T. & Schramm, S.A. (2011). ADHS bei Jugendlichen: Das Lerntraining LeJA. Weinheim: Beltz (siehe S3-Leitlinie, Seite 149: Moderates Wirksamkeitsnachweis).
Walter, D., & Döpfner, M. (2009). Leistungsprobleme im Jugendalter. Therapieprogramm für Jugendliche mit Selbstwert-, Leistungs- und Beziehungsstörungen, SELBST (hrsg. M. Döpfner, D. Walter, C. Rademacher, S. Schürmann), Band 2. Göttingen: Hogrefe (siehe S3-Leitlinie, Seite 149 f. Moderater Wirksamkeitsnachweis).


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