Lerntherapie | Integrative Lerntherapie I

Lese- und Rechtschreibstörung,
LRS / Legasthenie

Bis zu 20 % der Schüler/innen zeigen gravierende Schwächen in ihren Lese- und/oder Rechtschreibkompetenzen. Bis zu 10 % der Schüler/innen leiden unter einer Lese- und Rechtschreibstörung (ICD-10 F81.0), isolierten Lese- oder isolierten Rechtschreibstörung als Störung in der Entwicklung schriftsprachlicher Funktionen.

Eine Lese-Rechtschreibschwäche und eine Lese-Rechtschreibstörung unterscheiden sich in ihrer Beeinträchtigung des  Kindes / Jugendlichen und deren Ursachen.

Unsere erfolgreiche evidenzbasierte multimodale integrative LRS-Lerntherapie (Lese- und Rechtschreibschwäche / Lese- und Rechtschreibstörungen) plant ausgehend vom individuellen Störungsprofil die adäquaten multimodalen Maßnahmen.

Wir berücksichtigen aktuelle wissenschaftlich-therapeutische Standards und die S3-Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) zu Diagnostik und Behandlung (Lerntherapie) von Kindern und Jugendlichen mit Lese- und/oder Rechtschreibstörungen.

Integrative LRS-Lerntherapie

In unserer professionellen Praxis setzen wir in der integrativen LRS-Lerntherapie evaluierte Trainings- und Therapieprogramme mit wissenschaftlich gesicherten Effektivitätsstudien ein.

Unsere Lern- und Therapiematerialien sind didaktisch strukturiert und fördern systematisch gemäß "Entwicklungsverlauf / Stufen im Kompetenzerwerb: Lesen und Rechtschreibung" den Aufbau der Lese- und Rechtschreibkompetenzen. Die Einzel-Lerntherapie (i.d.R. 60 Minuten) einer Lese- und Rechtschreibstörung ist stets individuell und symptomspezifisch.

Entwicklungsverlauf / Stufen im Kompetenzerwerb:
Lesen und Rechtschreibung

Haus des Erwerbs von Lese- und Rechtschreibfertigkeiten,
in Anlehnung an: Jacobs & Petermann, Diagnostik von Rechenstörungen (2. / 2012)

Drei-Ebenen-Rahmenmodell von Lernstörungen:

Nach: Drei-Ebenen-Rahmenmodell von Frith (2001),
in: Steinbrink & Lachmann: Lese-Rechtschreibstörung (2014)

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1. Definition | Beschreibung:

„Lese- und Rechtschreibschwäche“ bezeichnet besondere Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesens und Rechtschreibens. Diese sind nicht so schwerwiegend wie bei einer Lese- und Rechtschreibstörung (Legasthenie).

In der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen (ICD-10) der Weltgesundheitsorganisation werden die Merkmale und diagnostischen Leitlinien einer Lese- und Rechtschreibstörung (F81.0) und Isolierten Rechtschreibstörung (F81.1) definiert. Bei einer Isolierten Rechtschreibstörung liegen die Lesefertigkeiten des Kindes (Lesequalität, Lesequantität und Leseverständnis) im Normbereich. Bei einer Isolierten Lesestörung liegen die Rechtschreibkompetenzen des Kindes im Normbereich.

Die psychometrisch diagnostizierten Lese- und/oder Rechtschreibleistungen des Kindes müssen eindeutig unterhalb des Niveaus liegen, welches aufgrund des Entwicklungsalters, der allgemeinen und der sprachfreien Intelligenz sowie der Beschulung (Schulklasse) zu erwarten wäre.

2. Ursachen | Entstehung

Die Ursachen einer Lese- und/oder Rechtschreibstörung und der besonderen Schwierigkeiten beim Erwerb einer Fremdsprache (LRS Englisch) sind vielfältig und individuell verschieden. Verantwortlich sein können eine genetische Disposition, biologische Faktoren und/oder Störungen in gehirnphysiologischen Funktionen (wie Aufmerksamkeit und Gedächtnis) sowie eine Schwäche / Störung der Basiskompetenz der phonologischen Bewusstheit.

Einige dieser Ursachen zeigen sich schon im frühen Entwicklungsverlauf: So haben Kinder mit einer genetischen Disposition zu einer Lese- und Rechtschreibstörung in ihrer Vorgeschichte oftmals eine Entwicklungsstörung des Sprechens und der Sprache.

Zur Entstehung einer Lese- und/oder Rechtschreibstörung können Umweltfaktoren wie schulische Didaktik- und Unterrichtsdefizite oder Interaktionsstörungen in der Schule sowie Persönlichkeitsfaktoren und psychische Belastungen des Kindes / Jugendlichen beitragen.

Aufgrund der besonderen und psychisch belastenden Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesens und Rechtschreibens entwickeln die Kinder oft ein starkes Vermeidungsverhalten gegenüber dem Lesen und/oder Schreiben. Daher bringt vermehrtes Üben kaum nachhaltige Erfolge. Eher werden die Lese- und Rechtschreibfehler sowie die psychischen Belastungen verfestigt und Misserfolge, Ängste, Lern- und Verhaltensstörungen ausgelöst.

3. Diagnostik

Eine Lese- und Rechtschreibschwäche / Lese- und Rechtschreibstörung sollte frühzeitig erkannt werden, damit das Kind rechtzeitig und nachhaltig in seiner Entwicklung unterstützt werden kann. Lese- und Rechtschreibstörungen „wachsen sich nicht aus“ und bleiben unbehandelt auch im Erwachsenenalter bestehen.

Nur mit einer fundierten Basis- und Differenzialdiagnostik kann eine Lerntherapie wirksam und effizient an den Ursachen ansetzen. Gemäß den klinisch-diagnostischen Leitlinien der ICD-10 werden die Lese- und Rechtschreibfertigkeiten (Lesequalität, Lesequantität, Leseverständnis und die Rechtschreibstrategien) sowie die allgemeine und die sprachfreie Intelligenz / Begabung getestet.

Zudem wird eine qualitative Fehleranalyse vorgenommen, um die individuelle Ausprägung der Störung zu erfassen. Das Leistungsprofil des Kindes / Jugendlichen mit seinen Stärken und Schwächen wird psychometrisch gesichert mit standardisierten Verfahren festgestellt. Dabei wird besonderes Augenmerk auf die spezifischen Lern- und Leistungsvoraussetzungen für den Erwerb des Lesens und des Rechtschreibens (Rechtschreibstrategien) gelegt.

Das Hauptziel der Fachdiagnostik ist, eine Lese- und Rechtschreibschwäche oder Lese- und Rechtschreibstörung frühzeitig mit ihren Ursachen zu erkennen. Bestenfalls sollte eine präventive Diagnostik bereits vor der Einschulung erfolgen, um das Kind rechtzeitig in seiner spezifischen individuellen Entwicklung unterstützen zu können und um den Aufbau von Wissens- und Kompetenzlücken zu verhindern. Daher ist eine rechtzeitige und professionelle lerntherapeutische Förderung grundlegend für die positive Entwicklung des Kindes.

4. Subtypen einer Lese- und Rechtschreibstörung

Subtyp: Phonologische Bewusstheit | Phonologische Lese-Rechtschreibstörung

Kinder mit einer Lese- und Rechtschreibschwäche / Lese- und Rechtschreibstörung vom „klassischen“ Subtyp mit einer grundlegenden Störung der phonologischen Bewusstheit 
offenbaren ihre Schwierigkeiten mit „phonetischen“ Lese- und Rechtschreibfehlern (Laut-Graphem-Zuordnung / Graphem-Laut-Zuordnung).

Kinder und Jugendliche von diesem Störungstyp haben deutliche Schwierigkeiten einzelne Laute korrekt wahrzunehmen wie die ähnlich klingende Laute der Plosive b-p; d-t; g-k. Sie haben Schwierigkeiten, die Lautstruktur von Wörtern zu analysieren oder zu synthetisieren sowie Wörter in Silben zu segmentieren, das bedeutet in Silben zu zerlegen. In Folge werden beim Lesen und Schreiben zu oft Buchstaben, Wortteile oder ganze Worte ausgelassen, verdreht oder hinzugefügt und häufig zeigen sich Schwierigkeiten bei Doppellauten.

Beim Lesen sind eine niedrige Lesequalität (Lesesorgfalt) und eine niedrige Lesequantität (Lesegeschwindigkeit) festellbar. Dies besonders, wenn das Kind beim lauten Vorlesen zögernd und lautierend (buchstabierend) liest. Zudem phrasiert das Kind ungenau beim Lesen und es kann längere Wörter nicht sinnvoll gliedern. Zudem ist oftmals der Abruf aus dem Wortschatz von „Wortbedeutung, Wortklang und Wortbild“ ist nicht ausreichend sicher und/oder automatisiert.

Kritische Schwächen im Leseverständnis aufgrund gestörter phonologischer Bewusstheit offenbaren sich meist in der Lesegeschwindigkeit sowie grundsätzlich im Wortschatz / Wortverständnis, Satzverständnis und/oder Textverständnis. Da das Leseverständnis zu den Faktoren gehört, die bei der Aneignung von Wissen eine wesentliche Rolle einnehmen, kann dies zu einer starken Beeinträchtigung für den schulischen Erfolg führen.

Subtyp: Orthographisches Lexikon | Orthographische Lese-Rechtschreibstörung

Kinder und Jugendliche mit einer Lese- und Rechtschreibschwäche / Lese- und Rechtschreibstörung vom Subtyp „Orthographisches Lexikon“ haben zugrundeliegend oftmals eine Schwäche / Störung in ihren Aufmerksamkeits- und Exekutivfunktionen. Sie offenbaren ihre Schwierigkeiten in der Rechtschreibung vornehmlich aufgrund ihrer orthographischen Fehlerquellen. Sie wenden Rechtschreibregeln, d. h. orthographische und morphematische Strategien, nicht richtig an.

Diese Kinder können aktuelle Lernwörter oftmals richtig lesen und schreiben, während andere Wörter wiederholt auf verschiedene Arten, probierend und ratend, aufgrund ihres defizitären mentalen orthographischen Lexikons und/oder aufgrund des gestörten Zugriffs auf dieses orthographische Wortlexikon falsch geschrieben werden; der Abruf eines Wortbildes ist unzureichend automatisiert.

Es mangelt diesen Kindern und Jugendlichen aufgrund von Defiziten in Exekutiv-Funktionen (hier vorrangig: Aufmerksamkeit / Kognitive Impulsivität, Arbeitsspeicher, Selbststeuerung) an der mentalen Selbst-Regulation und Kontrolle während des Lesens und Rechtschreibens; vielfach auch beim Aufsatzschreiben.

Kritisch bei diesem Subtyp ist zumeist die Lesequalität (Lesesorgfalt), dies oft bedingt durch impulsiv-flüchtiges Lesen. Schwächen in der Lesesorgfalt wie auch im Wortschatz / Wortverständnis, Satzverständnis und Textverständnis können sich zu einem kritischen Leseverständnis summieren, zu einer starken Beeinträchtigung für den schulischen Erfolg.

5. Therapie-Grundsätze

Die Ergebnisse der fundierten Fachdiagnostik einschließlich der qualitativen Diagnostik mit dem individuellen Fehlerprofil liegen dem Therapie-Förderplan des Kindes / Jugendlichen zu Grunde. Die Psychologisch-Integrative Lerntherapie orientiert sich an der Ausgangslage, das heißt den Stärken und Schwächen des Kindes / Jugendlichen.

Die Lerntherapie beginnt als Einzeltherapie auf der Entwicklungsstufe, auf der das Kind erfolgreich sein kann. So erlebt das Kind bejahende Erfolgserlebnisse und motivierende Freude, das Selbstwertgefühl und das Selbstkonzept der Schulfähigkeit entwickeln sich positiv. Die betroffene Familie wird entlastet.

In unserer Psychologisch-Integrativen Lerntherapie werden besonders Therapieprogramme sowie Lese- und Rechtschreibtrainings mit wissenschaftlich abgesicherter Effektivität eingesetzt. Außerdem werden therapeutisch bewährte Lernmaterialien genutzt, die systematisch und stufenweise den Aufbau des Lese- und Schriftspracherwerbes gemäß den wissenschaftlichen Phasen-Modellen der Lese- und Rechtschreibentwicklung fördern.

6. Therapie: Stufen | Module

Grundsätzliche Ziele der Psychologisch-Integrativen Lerntherapie sind die nachhaltige Entwicklung der phonologischen Bewusstheit, des Wortschatzes (mit: Wortbedeutung, Wortklang, Wortbild) und Lesekompetenzen (hier: Lesequalität, Lesequantität und Leseverständnis) sowie der Rechtschreibstrategien und Aufbau eines sicheren und umfassenden mentalen orthographischen Lexikons.

In der Lerntherapie werden auch klinische Trainingsprogramme zur Förderung der auditiven Wahrnehmung und phonologischen Bewusstheit eingesetzt sowie wissenschaftlich evaluierte neuropsychologische Trainingsprogramme; diese zum Beispiel zur Förderung des auditiv-verbalen Arbeitsspeichers und der verbalen Lern- und Merkfähigkeit, der Aufmerksamkeits- und Exekutiv-Funktionen oder der visuellen Informationsgeschwindigkeit und Lesegeschwindigkeit.

Basis-Training:
Phonologische Bewusstheit | Laut-Graphem-Zuordnung

Oftmals ermöglichen erst ein grundlegendes Training der phonologischen Bewusstheit und sprachlichen Kompetenzen sowie Übungen zur Laut-Graphem-Zuordnung und alphabetischen Strategie die positiv-nachhaltige Entwicklung von Lese- und Rechtschreibkompetenzen.

Lerntherapeutisches Lesetraining:
Lesequalität | Lesequantität | Leseverständnis

Das lerntherapeutische Lesetraining beginnt grundlegend mit der Graphem-Laut-Zuordnung. Es berücksichtigt in Förderplanung und Training die individuellen Fehlerquellen und erhöht so sicher und nachhaltig die Lesequalität, Lesegeschwindigkeit und das Leseverständnis. Hierbei werden beispielsweise auch neuropsychologische Lesetrainings zur Entwicklung der Lesegeschwindigkeit eingesetzt.

Das lerntherapeutische Lesetraining dient darüber hinaus der Entwicklung des persönlichen Wortschatzes, des Leseverständnisses und des mentalen orthographischen Lexikons. So fördert das Lesetraining auch die individuelle Entwicklung der Rechtschreibkompetenzen.

Lerntherapeutisches Rechtschreibtraining:
Entwicklung von Rechtschreibstrategien | Aufbau: Orthographisches Lexikon

  • Aufbauend auf dem Basis-Training der phonologischen Bewusstheit, sprachlichen Kompetenzen und Laut-Graphem-Zuordnung und parallel zum lerntherapeutischen Lesetraining, fördern wir in der ersten Stufe des lerntherapeutischen Rechtschreibtrainings zunächst das „sprechende Schreiben in Silbenschritten“.
  • Die zweite Stufe des lerntherapeutischen Rechtschreibtrainings ist dann ein Regeltraining zu orthographischen und morphematischen Strategien für die Rechtschreibung nicht lautgetreuer Wörter. Besonders hilfreiche Rechtschreibregeln und Rechtschreibstrategien werden – mit Anwendung von Selbstinstruktionen – eingeübt und automatisiert.
  • Die bewusste und sichere Anwendung von Rechtschreibregeln und Rechtschreibstrategien wird in der dritten Stufe des lerntherapeutischen Rechtschreibtrainings zur nachhaltigen Transfersicherung beispielsweise in Diktaten trainiert. Dabei ist ein Ziel die automatisierte selbstständige Kontrolle und Korrektur, beispielsweise durch Silbenbögen oder Anwendung der Rechtschreibregeln und Strategien. Ein weiteres Ziel ist der Aufbau eines umfassenden mentalen orthographischen Lexikons.

7. Elternberatung

Das Kind / der Jugendliche und seine Eltern werden über das Begabungs- und Störungsprofil und seine Auswirkungen umfassend aufgeklärt (Psycho-Edukation); und sie werden in der innerpsychischen und familiären Bewältigung der durch die Lese- und Rechtschreibstörung verursachten Beeinträchtigungen unterstützt. In regelmäßigen Gesprächen wird gemeinsam ausführlich erörtert, wie die Eltern ihr Kind positiv-konstruktiv unterstützen und fördern können.

Auf Wunsch der Eltern wird ein Fachgutachten gemäß den Richtlinien der ICD-10 erstellt und für die Schule ein persönliches Schreiben zum sogenannten Nachteilsausgleich für „Kinder und Jugendliche mit Behinderungen und besonderem Förderbedarf“ verfasst.

8. Lerntherapie für Erwachsene

Wenn das Lernen oder der Lernerfolg, wenn die Aufmerksamkeit oder das Lesen, Schreiben oder Rechnen Ihre persönliche oder berufliche Entwicklung behindert, hilft Ihnen unsere Lerntherapie für Erwachsene. Unser langjähriger Partner, VIP.KOM® Kompetenztraining, diagnostiziert und fördert Erwachsene mit einer Lern- und Leistungsstörung, Aufmerksamkeitsstörung / ADHS oder einer Teilleistungsstörung, wie Lese- und Rechtschreibstörung oder Rechenstörung.

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